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Der Glaube ist nicht nötig

 

Oft wird davon gesprochen, dass es wichtig ist, an etwas zu glauben, um es erreichen zu können. Das ist einerseits richtig, denn das, wovon wir fest überzeugt sind, erschaffen wir. Andererseits sind schon oft Dinge geschehen, die man zuvor nie für möglich gehalten hätte – nicht wahr? Und dann gibt es noch die wundersame Situation, wenn etwas – obwohl man fest davon überzeugt war – nicht eintritt. Welche Regel gilt bei den genannten Ausnahmen? Und kann man wirklich davon ausgehen, dass der Glaube Berge versetzt, wenn es der Nicht-Glaube auch tut? Man stellt sich die berechtigte Frage, was denn da nun die Berge versetzt. Ist es wirklich der Glaube? Oder gilt hier wie so oft: Sowohl als auch?

 

Wenn man mal versucht, der Sache auf den Grund zu gehen und sich von dem Glauben, dass der Glaube Berge versetzt, ein wenig löst, kommt man eigentlich ziemlich schnell auf die Lösung dieses verwirrenden Problems. Voraussetzung ist allerdings, dass man seine Meinung über die Welt für einen Moment wirklich loslassen kann und sich für die Möglichkeiten öffnet. Denn: Nicht auf einer Wahrheit zu beharren, ist der Schlüssel, um die Wahrheit zu finden.

 

Wenn man alle Wahrheiten einmal loslässt und davon ausgeht, dass möglicherweise nichts wirklich wahr ist (denn wie du oben gesehen hast, hat jede Regel auch Ausnahmen), stößt man auf eine Wahrheit, die allen Wahrheiten zu Grunde liegt.

 

Ich selbst war auch schon öfter felsenfest von etwas überzeugt, dass partout nicht eintreten wollte. Und es hat mich fast verrückt gemacht. Ich habe mich gefragt, wie das nur sein kann? Wie kann etwas, das mit einer solch festen Überzeugung untermauert ist, nicht eintreten? Es war mir ein Rätsel. Auch ist es mir schön öfter passiert, dass Dinge eingetreten sind, die ich nie im Leben für möglich gehalten hätte! Und ich stand wie der Ochs vor'm Berg und dachte: Wie zum Geier ist denn das jetzt passiert?

 

Manchmal denken wir, wir sind mit geheimnisvollen Kräften konfrontiert, die wir nicht kennen. Oder mit einem Schicksal, dem wir vielleicht nicht entrinnen konnten. Vielleicht auch mit einem Steuerelement, das wir noch nicht aufgedeckt haben. Das Leben ist ein Rätsel. Immer wieder. Da denkt man, man hat es begriffen und den Code geknackt und auf einmal steht man wieder am Anfang. Warum ist das so?

 

Achtung, die Antwort ist unbequem:

 

Weil es keine absolute Wahrheit gibt.

 

Eine Wahrheit ist nur eine Realität, auf die sich die meisten geeinigt haben. Mehr nicht. Sie kann ausgehebelt werden und wird dann von den Menschen als »Ausnahmen-bestätigen-die-Regel« bezeichnet. Aber das war es auch schon. Es ist nur eine Regel. Kein in Stein gemeißeltes Gesetz. Ein Wissenschaftler hat das mal eine Realitätsneurose genannt. Man kann es auch eine Gewohnheit nennen. Die Menschen haben sich auf eine Realität geeinigt und sich daran gewöhnt. Sie nennen es Wahrheit, weil sich die Realität üblicherweise genauso zeigt, wie sie es annehmen. Wenn jemand daher kommt und von einer anderen Wahrheit überzeugt ist, reagieren die Menschen unterschiedlich darauf. Manche Menschen sind interessiert. Wenn diese Wahrheit aber schädlich für sie (und andere) ist, entfernen sie sich davon. Wenn sie ihnen nützt, überdenken sie ihre eigene Wahrheit und kommen so langsam zu einer neuen (wenn sie das wollen). Dann gibt es Menschen, die bei einer Konfrontation mit anderen Wahrheiten heftig diskutieren und auf ihrer Wahrheit beharren. Und eine andere, unangenehme Art von Menschen schlägt auf jede andere Wahrheit drauf, bis sie Ruhe gibt und ihre eigene Wahrheit die einzige ist, die noch übrig bleibt. Das alles sind Ego-Spiele. Das Ego möchte im Recht sein, denn dann fühlt es sich stark, überlegen und bedeutend.

 

Es gibt aber auch Wahrheiten, die nichts mit dem Glauben zu tun haben und wissenschaftlich untermauert sind. Zum Beispiel: Gift schadet dem Körper. Trinkt man Gift, wird man krank oder stirbt. Das passiert leider auch, wenn man nicht weiß, dass man Gift trinkt und glaubt, es sei Saft. (Der Glaube hat hier keinerlei Einfluss.) Aber auch eine solche Wahrheit ist von Menschen schon ausgehebelt worden. Menschen, die bewusst Gift trinken und denen dabei nichts passiert. Ähnlich ist es bei Menschen, die barfuß über glühende Kohlen laufen, auf Nagelbrettern schlafen oder sich ein Schwert in den Leib rammen, ohne zu bluten oder Schaden zu nehmen.

 

Für jeden Menschen steht fest, dass Feuer dem Körper schadet. Für diese Menschen aber nicht. Liegt das am Glauben? Wie sind sie an diesen Punkt gelangt und wie haben sie eine Wahrheit ausgehebelt, die für jeden Menschen gilt? Sind die Gesetze der Physik, der Biologie und Chemie nur Normen und Realitätsneurosen? Logisch betrachtet brauchen wir ja geregelte Normen, denn sonst wäre ein geordnetes Leben nicht möglich. Und glücklicherweise wollen wir ja hier nicht die Naturgesetze ändern, sondern uns einfach nur ein paar Wünsche erfüllen.

 

Kommen wir also zurück zu dem Glauben, dass der Glaube Berge versetzt. Ist er wahr? Diese Frage kannst du dir jetzt selbst beantworten. Menschen haben schon großartige Dinge mit ihrem Glauben geschafft! Andere sind daran verzweifelt. Man könnte meinen, dass ihr Glaube dann nicht fest genug war. Oder aber, es wirkt eine andere Kraft. Eine Kraft, die den Glauben erst hervorbringt.

 

Es ist die Wahrnehmung!

 

Was du wahrnimmst, ist wahr. Und wir kommen nicht drum herum, uns diese »Wahrheit« bewusst zu machen. Sie vermittelt uns nämlich die Tatsache, dass es keine absolute Wahrheit gibt und dass das wahr ist, was DU wahr-nimmst. Dazu brauchst du keinen Glauben. Wir können wahrnehmen, was immer wir wollen. Ganz unabhängig vom Glauben. Und diese Wahrnehmung wird dann schließlich unser Sein formen. Und auch unseren Glauben. Schließlich entsteht dadurch die Wahrheit – die Realität. Es beginnt also alles bei der Wahrnehmung.

 

Der Glaube ist nicht nötig, um etwas zu realisieren. Die Wahrnehmung ist viel wichtiger! Man kann noch so sehr davon überzeugt sein, dass man für Reichtum und Wohlstand bestimmt ist. Wenn man den Reichtum und Wohlstand aber nicht wahrnimmt, bewirkt diese Überzeugung gar nichts. Es geht immer ums Gefühl, um die sinnliche Wahrnehmung einer Wahrheit. Der Glaube spielt dabei eine zweitrangige Rolle. Denn er erwächst erst aus der Wahrnehmung heraus.

 

Über deine Wahrheit/Realität entscheidet also deine Wahrnehmung. Und das ist auch gut so. Denn es gibt nur eine Instanz, die deine Wahrnehmung und deren Interpretation ändern kann: DU!


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