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Schatten - Auszug aus "Das Spiel 2"

 

 

Dies ist ein Auszug aus der neuen Auflage des Buches "Euphoria - Das Spiel 2", in dem ich das Thema Schatten ein wenig erweitert habe. Es ist ein sehr wichtiger Aspekt, den ich unbedingt im Buch ergänzen wollte. Und hier ist er:

 

 

Hier möchte ich aber noch deutlich machen, dass das Akzeptieren der Dunkelheit im Außen und auch in unserem Inneren nicht bedeutet, sich alles gefallen zu lassen oder sich gar quälen zu lassen. Das wäre eine völlig falsch verstandene Toleranz. Dinge zu akzeptieren, heißt nur: Ihre Realität zu erkennen. Also die Dinge so zu sehen, wie sie tatsächlich sind. Es sind Realitätszustände, die – wenn wir emotional darauf reagieren – eine Botschaft für uns haben. Das heißt nicht, dass wir sie so lassen müssen, oder dass wir sie auf ewig hinnehmen müssen. Das wäre selbstzerstörerisch.

 

Ein Beispiel: Wenn du in einer Partnerschaft lebst, in der du unglücklich bist, weil dich dein Partner schlecht behandelt, kannst du hier einen Schatten erkennen. Möglicherweise gibt es in dir ein Programm, das dich mit diesem Partner zusammen gebracht hat. Vielleicht hast du ein geringes Selbstwertgefühl, bist es dir nicht wert, dass du glücklich bist oder glaubst, dass man sich dem Partner unterordnen muss. Durch den Schmerz, den du erlebst, kannst du erkennen, was schief läuft. Du erlebst die Realisierung deines Glaubenssatzes im Außen. Die Dunkelheit in dir (ein Schmerz aus der Vergangenheit, vielleicht ein Trauma oder ähnliches) projiziert sich nach außen, damit du sie sehen kannst. Wenn du die Situation akzeptierst, nach innen schaust und erkennst, dass du sie womöglich angezogen hast, damit dir vor Augen geführt werden kann, was in dir ist, hast du den ersten Schritt der Befreiung getan. Aber es ist nur der erste Schritt. Es beginnt immer mit der Erkenntnis. Durch diese Erkenntnis kannst du nun akzeptieren, dass die Realität so ist, wie sie ist. Denn sie hat Ursachen in dir. Das bedeutet aber nicht, dass du die Situation so lassen musst. Du hast erkannt, dass es den Schatten gibt und nun ist es Zeit, ihn ans Licht zu holen und zu heilen. In dir selbst. Das kannst du nicht, wenn du dich weiterhin einem Menschen aussetzt, der dich schlecht behandelt oder erniedrigt. Es beginnt für dich eine Transformation. Das heißt, dass es notwendig ist, die Situation zu ändern, damit du in Ruhe an dir arbeiten und dich verändern kannst. Dazu musst du bessere Voraussetzungen schaffen. Wenn du mehr Selbstliebe in dir entwickeln willst, distanziere dich von Menschen, die dich erniedrigen. Verschaffe dir Raum und Zeit, damit du dich in den Menschen verwandeln kannst, der du sein willst und damit du die Schatten und Schmerzen in dir heilen kannst.

 

Es gibt viele Beispiele, in denen die Akzeptanz falsch verstanden wird und zu einer krankhaften Toleranz wird. Niemand würde seine Hand auf eine heiße Herdplatte legen und sie liegen lassen, weil er die Hitze akzeptieren und tolerieren will, nicht wahr? Viele tun aber etwas Ähnliches in ihrem Leben. Sie tolerieren eine Situation, die schädlich ist. Weil sie sich für spirituell halten und gelernt haben, dass man keinen Widerstand gegen die Realität aufbauen soll. Das ist eine völlig falsch verstandene Spiritualität. Die Akzeptanz einer Situation ist nur ein Schritt. Der erste Schritt zur Veränderung! Nur wenn du eine Situation zuvor akzeptierst, kannst du sie verändern. Du kannst Frieden mit ihr und mit dir selbst schließen, kannst erkennen, warum sie entstanden ist und sie dann zu etwas Besserem wandeln, indem du dich selbst veränderst. Und indem du etwas Schädliches in deinem Leben nicht mehr zulässt – also indem du die Hand nicht mehr auf die heiße Herdplatte legst. Man lernt daraus, akzeptiert es und denkt, fühlt und handelt in Zukunft anders.

 

Viele Menschen versuchen auch, die Schatten in ihrem Leben einfach zu ignorieren. Das ist mindestens genauso schädlich. Das wäre, als würdest du die Hand auf der heißen Herdplatte haben und wegsehen, weil du denkst: Was ich nicht sehe/fokussiere, existiert auch nicht. Die heiße Herdplatte ist aber trotzdem da. Und sie verbrennt immer noch deine Hand. Egal wie sehr du dich auch auf etwas Schönes konzentrierst, die heiße Herdplatte lässt sich nicht verdrängen. Wenn du nicht aufpasst, wird sie dich schwer verletzen. Und es hört erst auf, wenn du die Herdplatte ansiehst (akzeptierst) und die Hand weg ziehst!

 

So ist es mit den Schatten in unserem Leben und den Schatten in unserer Welt. Verdrängung hat noch nie etwas besser gemacht. Natürlich ist es sinnvoll und richtig, sich auf die guten Dinge des Leben zu konzentrieren. Aber man darf dabei die Dunkelheit nicht verdrängen. Denn sie ist da. Und sie breitet sich immer mehr aus, je mehr man wegsieht. Das ist auch die Botschaft aus »One«. Der Teufel machte zwei wichtige Punkte klar:

 

»Je mehr du mich bekämpfst, umso mehr muss ich dir einen Grund zum Kämpfen geben. Geben müssen.«

 

Und:

 

»Je mehr du mich verdrängst, umso deutlicher trete ich in Erscheinung.«

  

Damit wollte er deutlich machen, dass weder ein Kampf gegen ihn noch Verdrängung ihn besiegen kann. Beides macht ihn stärker. Beim ersten Punkt hat er (als Verkörperung des Bösen – an dieser Stelle kannst du alles einfügen, das in deinem Leben oder unserer Welt schädlich ist) deine volle Aufmerksamkeit und beim zweiten Punkt hat er freie Bahn.

 

Das einzige, was die Dunkelheit auflösen kann, ist das Hinsehen, Akzeptieren und Ändern/Verwandeln der inneren und äußeren Welt! Nach der Akzeptanz muss – wenn dir etwas schadet – der Wandel kommen. Ansonsten zerstörst du dich selbst. Der Wandel bedeutet, dass du die Situation entweder verlässt oder sie änderst. Manchmal ist es allerdings auch so, dass dir etwas nur deswegen schadet, weil du eine negative/schädliche Einstellung dazu hast. In dem Fall könnte ein Ändern der Einstellung bzw. das vollständige Akzeptieren das Leid bereits auflösen. Wenn es aber eine Situation ist, die dir deutlich Leid zufügt oder deinem Körper schadet, ist es deine Pflicht, etwas zu unternehmen. Auf das Akzeptieren folgt also das Handeln. Akzeptieren ohne zu handeln ist, als würdest du zusehen wie deine Hand verbrennt, weil du unbedingt spirituell, erleuchtet und tolerant sein willst. In dem Fall hast du die Akzeptanz nicht verstanden.

 

Heutzutage erleben wir es oft, dass die Menschen übertolerant sind und sich gegen schädliche Situationen nicht zur Wehr setzen. Es findet ein spiritueller Wandel in unserer Gesellschaft statt, wobei die Spiritualität aber missverstanden wird. Die Menschen wollen unbedingt gut sein, sich auf das Gute fokussieren, nur noch Liebe sehen und Licht, sie wollen nicht gegen etwas kämpfen oder sich wehren, sondern alles akzeptieren und tolerieren. Sie wollen ihre Aufmerksamkeit dem Positiven widmen, um es zu stärken, wollen Licht sein. Sie predigen Liebe und Toleranz, Annahme, Akzeptanz und Frieden und verdrängen dabei alles, was dunkel ist. Und sie wollen auch nicht darauf hingewiesen werden. Dann werden sie meist zornig.

 

Diese Entwicklung ist sehr gefährlich, denn wenn man nur Licht und Liebe sehen will und sich nur noch auf das Positive konzentriert, verliert man völlig die Dunkelheit aus den Augen – die ja noch da ist. Sie verschwindet nicht durch Nichthinsehen oder Verdrängung. Im Gegenteil. Sie wird immer stärker und breitet sich aus.

 

Wenn wir mit offenen und ehrlichen Augen durch unsere Welt gehen, sehen wir unglaublich viel Dunkelheit. Natürlich kann man wegsehen. Aber dadurch verschwindet sie nicht. Man öffnet ihr dadurch nur Tür und Tor. Sie hat freie Bahn. Stattdessen sollten wir genau hinsehen, was noch an Dunkelheit da ist, sie sehen, akzeptieren und eine Veränderung einleiten! In uns selbst und folglich im Außen. Wenn man weiterhin mit Scheuklappen durch die Welt geht, wird die Dunkelheit einen sonst eines Tages überrennen.

 

Der Umgang mit Schatten und Dunkelheit ist also recht komplex. Man sollte sie weder bekämpfen noch verdrängen. Stattdessen aber hinsehen, akzeptieren und Handeln! Alles andere ist falsch verstandene Spiritualität. Sich zur Wehr zu setzen und etwas zu ändern, ist nicht unspirituell. Es ist schlicht und einfach Selbsterhaltung und dient der Entwicklung und Entfaltung. Falsche Toleranz hingegen zerstört.

 

Ich möchte hiermit deutlich machen, wie wichtig die Akzeptanz ist. Auch die Akzeptanz – also das Sehen – der Dunkelheit! Und wie wichtig es auch ist, sie richtig zu verstehen. Akzeptanz heißt nicht hinnehmen. Und sie heißt auch nicht tolerieren bis zum Untergang. Sie heißt sehen! Hinsehen und verstehen! Den Zusammenhang zwischen äußerer Welt und innerer Welt erkennen. Und dann annehmen und ändern!

 

Es ist schwer und oft sogar unmöglich, etwas zu ändern, das zuvor nicht akzeptiert wurde. Stelle dir einen Menschen vor, der die Dunkelheit verdrängt und sie einfach nicht sehen will. Er dreht ständig den Kopf weg und sieht sich nur das Licht an und die Liebe. Dennoch gibt es einen großen Schatten in ihm und der Welt, der immer größer wird. Wenn Menschen ihn darauf aufmerksam machen, wird er wütend. Er bekämpft das, was diese Menschen sagen. Er macht sie lächerlich, denn er meint: Es existiert nur, was ich sehe und worauf ich mich konzentriere. Alle anderen sind Lügner. Dieser Mensch ist nicht in der Lage, etwas zu verändern. Es ist ihm völlig unmöglich, den Schatten in sich und der Welt zu heilen oder eine schädliche Situation zu ändern. Denn er sieht sie ja nicht einmal! Trotzdem ist sie da. Und sie wird immer größer. Mit seiner Haltung vergrößert er sie geradezu, denn jeden, der ihn auf den Schatten aufmerksam machen will, bekämpft er. Er möchte spirituell sein und gut sein, aber er spielt dem Schatten regelrecht in die Karten. Schlimmer noch: Er wird zu seinem eigenen Schatten. Das, was wir am meisten verdrängen oder bekämpfen, übernimmt uns irgendwann. Der Mensch aus unserem Beispiel wird also zu dem, was er nicht sehen will.

 

Das passiert oft bei »spirituellen« Menschen, die nur Licht und Liebe sehen wollen. In ihnen steigt genau das an, was sie nicht sehen wollen. Armut, Schmerz, Wut, Schuld, Scham, Unglück, Leid, Einsamkeit, Hass, Traurigkeit, Ablehnung, Krankheit usw. Die Dunkelheit versucht sich bemerkbar zu machen. Und je mehr man sie verdrängt, umso deutlicher kommt sie zum Vorschein. Bis man hinsieht.

 

Genauso ist es mit Menschen, die die Dunkelheit bekämpfen. Sie werden zu der Dunkelheit, die sie bekämpfen wollen. Dabei wäre die Lösung so einfach. Sie bräuchten sie nur akzeptieren, sie in sich selbst heilen und einen Wandel (eine Lösung) im Innen und Außen einleiten. Das wäre zum Beispiel ein neuer Glaubenssatz im Inneren und ein anderes Handeln im Außen.

 

Dieses Thema ist meiner Meinung nach sehr wichtig und deshalb betone ich immer, dass die erste Spielregel von »Euphoria« die wichtigste ist.

 


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